Beschreibung
Fiorenza
„Fiorenza“ ist ein Drama von Thomas Mann, das am 11. Mai 1907 im Frankfurter Schauspielhaus seine Uraufführung erlebte. Es bleibt sein einzig vollendetes Bühnenwerk. Zwar begann Mann 1954 ein weiteres Drama mit dem Arbeitstitel „Luthers Hochzeit“, konnte dieses jedoch nicht mehr abschließen.
Die Handlung spielt im Florenz des Jahres 1492 und greift Motive aus einer Predigt des Bußpredigers Girolamo Savonarola auf, der im Stück Hieronymus genannt wird. Die Bevölkerung der Stadt ist stark von seiner eindringlichen, asketischen Lehre geprägt. Einst hatte er um Fiorenza geworben, wurde jedoch zurückgewiesen. Fiorenza, die zugleich als Sinnbild der Stadt Florenz fungiert, ist inzwischen die Geliebte von Lorenzo de‘ Medici, dem weltlichen Herrscher und Förderer der Künste. Trotz ihrer früheren Abweisung fühlt sich Fiorenza von Savonarolas Ausstrahlung angezogen. Schließlich bringt sie ihn mit dem sterbenden Lorenzo zusammen. Dieser erkennt in dem religiösen Eiferer einen gleichwertigen Gegner und nennt ihn Bruder. Fiorenza hingegen sagt Savonarola voraus, dass sein Stolz über diesen Triumph noch geläutert werden müsse.
Das Drama zeichnet ein eindringliches Bild eines Florenz im Umbruch: zwischen Renaissancekultur und religiösem Eifer, zwischen Kunst und Askese. Im Zentrum steht Fiorenza als Symbolfigur einer Stadt im inneren Konflikt – hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft, Macht und moralischem Anspruch. So verdichtet das Werk die geistigen Spannungen einer Epoche zu einem zeitlos wirkenden Drama über Freiheit, Glauben und die Verführbarkeit des Menschen.
Inhaltlich steht das Drama im Zeichen eines zentralen Gegensatzes im Werk Thomas Manns: der Konflikt zwischen asketischem Verzicht und sinnlicher Lebensbejahung. Ähnlich wie in „Tonio Kröger“ wird auch hier Enthaltsamkeit höher bewertet als sinnliches Glück. Dieses Spannungsverhältnis beschäftigte Mann bis ins Spätwerk, etwa in seinem unvollendeten Luther-Drama. Bereits in der Novelle „Gladius Dei“ (1902) hatte Mann eine savonarolaähnliche Figur auftreten lassen – dort jedoch in einem eher satirischen Kontext, in dem sich die weltoffene Kunststadt München gegen religiösen Fanatismus behauptet.
Auf der Bühne blieb „Fiorenza“ ohne großen Erfolg. Der Kritiker Alfred Kerr verriss das Stück scharf, während andere wie Theodor Lessing und Richard Schaukal vor allem die allegorische Figur der Fiorenza als Schwäche sahen. Mann selbst zog aus diesem Misserfolg die Konsequenz, dass Theater für ihn vor allem als Form der Volksunterhaltung Bestand habe.
Paul Thomas Mann (6. Juni 1875 – 12. August 1955) war ein deutscher Schriftsteller, Sozialkritiker, Philanthrop, Essayist und Nobelpreisträger für Literatur (1929). Seine symbolträchtigen und ironischen Romane und Novellen sind bekannt für ihre Einblicke in die Psyche von Künstlern und Intellektuellen.
Seine Analyse und Kritik der europäischen und deutschen Seele stützte sich auf modernisierte Versionen deutscher und biblischer Geschichten sowie auf die Ideen von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer. Mann war Mitglied der hanseatischen Familie Mann und porträtierte seine Familie und Klasse in seinem ersten Roman, „Buddenbrooks“ (1901).
Zu seinen späten bedeutenden Romanen gehören Der Zauberberg (1924), die Tetralogie Joseph und seine Brüder (1933–1943) und Doktor Faustus (1947); er schrieb auch Kurzgeschichten und Novellen, darunter Tod in Venedig (1912).
Sein älterer Bruder war der Schriftsteller Heinrich Mann, und drei von Manns sechs Kindern – Erika Mann, Klaus Mann und Golo Mann – wurden ebenfalls bedeutende deutsche Schriftsteller. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, floh Mann in die Schweiz. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, zog er in die Vereinigten Staaten und kehrte 1952 in die Schweiz zurück. Mann ist einer der bekanntesten Vertreter der sogenannten Exilliteratur, der deutschen Literatur, die von Gegnern des Hitler-Regimes im Exil geschrieben wurde.
- Autor*in: Thomas Mann
- Titel: Fiorenza
- Reihe: Thomas Mann, Werke
- Bände: (1) Der kleine Herr Friedemann und andere Novellen | (2) Buddenbrooks | (3) Königliche Hoheit | (4) Der Zauberberg | (5) Gladius Dei | (6) Tonio Kröger | (7) Tristan | (8) Schwere Stunde | (9) Der Tod in Venedig | (10) Joseph und seine Brüder | (11) Herr und Hund | (12) Wälsungenblut | (13) Zehn Erzählungen | (14) Mario und der Zauberer | (15) Lotte in Weimar | (16) Die vertauschten Köpfe | (17) Das Gesetz | (18) Doktor Faustus | (19) Der Erwählte | (20) Die Betrogene | (21) Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull | (22) Fiorenza | (23) Deutsche Hörer! | (24) Goethe und Tolstoi | (25) Über Goethe | (26) Über Schriftsteller | (27) Grosse Geister
- Sprache: Deutsch
- Format: EPUB
- Seitenzahl: ca. 180
- ISBN-13: 978-3-96130-739-5 (EPUB)
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