Beschreibung
Goethe und Tolstoi
Thomas Manns großer Essay „Goethe und Tolstoi“ von 1925 mit dem Untertitel „Fragmente zum Problem der Humanität“ ist eine Weiterentwicklung des gleichnamigen Vortrags von 1921.
Als Thomas Mann während seiner Arbeit über die beiden literarischen Größen Johann Wolfgang von Goethe und Leo Tolstoi bemerkte, sein Drang, sich vollständig einzubringen, lasse ihn „zu sehr ausschweifen“, formulierte er damit unbewusst den eigentlichen Kern seines Vorhabens: eine Reflexion über die Grundlagen und Bedingungen seines eigenen künstlerischen Schaffens. Was er auf sich selbst bezog, übertrug er zugleich auf die von ihm bewunderten Autoren. Ihr Gesamtwerk verstand er als Ausdruck eines persönlichen Bekenntnisses, angetrieben von einer tiefen Selbstzuwendung – präziser gesagt: von einer Ehrfurcht vor der eigenen Berufung und Einzigartigkeit. Ergänzt wurde die Betrachtung durch eine anschauliche, wenn auch etwas konstruiert wirkende Gegenüberstellung: Während Goethe und Tolstoi für Ruhe, Natürlichkeit, Wahrhaftigkeit und innere Stärke stehen, verkörpern Friedrich Schiller und Fjodor Dostojewski eine eher extreme, fiebrige und von geistiger Kühnheit geprägte Haltung.
Thomas Mann betrachtete sein Talent als Essayist und Polemiker als einen untrennbaren „Bestandteil“ seines Wesens. Er ging sogar so weit zu sagen: „Wenn ich diesem Drang nachgebe, verspüre ich das Goethe’sche Gefühl, ein geborener Schriftsteller zu sein, und zwar vielleicht auf eine noch aufregendere Weise als bei der Pflege der Roman-Kunst.“ Seine Essays waren für ihn wie eine kritische Überprüfung seines Lebens und seines literarischen Schaffens; darin stillte er seine moralistische Ader und das, was er sein „naives Pflichtgefühl“ nannte. Denn selbst in den rein literarischen Abhandlungen geht er auf die moralischen Probleme seiner Zeit ein und bezieht politische Stellung. So legt er am Ende von „Goethe und Tolstoi“ (1922), geschrieben am Rande von „Der Zauberberg“, seine einzigartig scharfsinnigen Ansichten über die Zukunft seines Landes und Europas dar.
Paul Thomas Mann (6. Juni 1875 – 12. August 1955) war ein deutscher Schriftsteller, Sozialkritiker, Philanthrop, Essayist und Nobelpreisträger für Literatur (1929). Seine symbolträchtigen und ironischen Romane und Novellen sind bekannt für ihre Einblicke in die Psyche von Künstlern und Intellektuellen.
Seine Analyse und Kritik der europäischen und deutschen Seele stützte sich auf modernisierte Versionen deutscher und biblischer Geschichten sowie auf die Ideen von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer. Mann war Mitglied der hanseatischen Familie Mann und porträtierte seine Familie und Klasse in seinem ersten Roman, „Buddenbrooks“ (1901).
Zu seinen späten bedeutenden Romanen gehören Der Zauberberg (1924), die Tetralogie Joseph und seine Brüder (1933–1943) und Doktor Faustus (1947); er schrieb auch Kurzgeschichten und Novellen, darunter Tod in Venedig (1912).
Sein älterer Bruder war der Schriftsteller Heinrich Mann, und drei von Manns sechs Kindern – Erika Mann, Klaus Mann und Golo Mann – wurden ebenfalls bedeutende deutsche Schriftsteller. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, floh Mann in die Schweiz. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, zog er in die Vereinigten Staaten und kehrte 1952 in die Schweiz zurück. Mann ist einer der bekanntesten Vertreter der sogenannten Exilliteratur, der deutschen Literatur, die von Gegnern des Hitler-Regimes im Exil geschrieben wurde.
- Autor*in: Thomas Mann
- Titel: Goethe und Tolstoi
- Untertitel: Fragmente zum Problem der Humanität
- Reihe: Thomas Mann, Werke
- Bände: (1) Der kleine Herr Friedemann und andere Novellen | (2) Buddenbrooks | (3) Königliche Hoheit | (4) Der Zauberberg | (5) Gladius Dei | (6) Tonio Kröger | (7) Tristan | (8) Schwere Stunde | (9) Der Tod in Venedig | (10) Joseph und seine Brüder | (11) Herr und Hund | (12) Wälsungenblut | (13) Zehn Erzählungen | (14) Mario und der Zauberer | (15) Lotte in Weimar | (16) Die vertauschten Köpfe | (17) Das Gesetz | (18) Doktor Faustus | (19) Der Erwählte | (20) Die Betrogene | (21) Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull | (22) Fiorenza | (23) Deutsche Hörer! | (24) Goethe und Tolstoi | (25) Über Goethe | (26) Über Schriftsteller | (27) Grosse Geister
- Sprache: Deutsch
- Format: EPUB
- Seitenzahl: ca. 200
- ISBN-13: 978-3-96130-740-1 (EPUB)
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